Monte-Carlo-Simulation

Eine einzelne Durchschnittsrendite („7 % p. a.") sagt dir, wo dein Depot landen könnte, wenn alles glatt liefe. Eine Monte-Carlo-Simulation rechnet 1.500 verschiedene Zukunftsverläufe — und zeigt dir die Bandbreite der möglichen Ergebnisse.

Warum eine Durchschnittsrendite trügt

Wenn du schreibst „Mein Depot wächst mit 7 % p. a.", meinst du in Wirklichkeit den geometrischen Langzeit-Durchschnitt. Die realisierte Jahresrendite schwankt aber stark: Ein typischer Aktien-Index hat eine Standardabweichung von 14–18 % pro Jahr. In einem einzigen Jahr kannst du −30 % oder +40 % sehen.

Das Problem für FIRE-Planung: Die Reihenfolge der Renditen ist entscheidend. Zwei Pfade können denselben Durchschnitt liefern, aber komplett unterschiedlich enden:

Das nennt man Sequence-of-Returns-Risk. Eine deterministische Rechnung mit „7 % p. a." kann diesen Effekt nicht abbilden.

Was Monte Carlo macht

Statt eines einzigen Pfades simulieren wir die Zukunft tausendmal. Jede Simulation:

  1. Würfelt für jedes Jahr eine zufällige Rendite aus, gezogen aus einer log-normalen Verteilung mit deinem erwarteten Mittel (z. B. 7 %) und realistischer Volatilität (~14 % Standardabweichung).
  2. Lässt das Depot durch alle Jahre laufen, mit deinen Entnahmen, Steuern, Inflations-Anpassung.
  3. Markiert, in welchem Jahr (falls überhaupt) das Depot leer geht.

Aus 1.500 solchen Simulationen entstehen Statistiken:

Was unsere Simulation konkret tut

Bei jedem Klick im Rechner:

Was die Bandbreite im Diagramm bedeutet

Im Kapitalverlauf-Diagramm siehst du eine schattierte Fläche. Sie zeigt:

Eine schmale Bandbreite heißt: Dein Plan ist robust. Eine breite Bandbreite heißt: Das Ergebnis hängt sehr stark vom Marktverlauf ab.

Grenzen der Methode

Monte Carlo ist ein Modell — und jedes Modell trifft Annahmen:

Klassische iid-Monte-Carlo bleibt aber pädagogisch nützlich, um die Grundlogik zu verstehen: 1.500 Pfade sind besser als 1 Pfad. Wer das Konzept einmal verinnerlicht hat, versteht auch, warum Block-Bootstrap der nächste Schritt ist.

Wie du die Erfolgs-Wahrscheinlichkeit interpretierst

Wichtig: Eine 90 %-Erfolgsquote heißt nicht „in 10 % der Fälle wirst du obdachlos". Sie heißt: In 10 % der simulierten Marktverläufe geht das Depot vor dem geplanten Endjahr aus. Du hättest dann immer noch deine gesetzliche Rente, könntest die Entnahme reduzieren oder Teilzeit dazuverdienen.

🎯 Sieh's an deinen Zahlen Öffne den Rechner — die Erfolgs-Wahrscheinlichkeit aus der Monte-Carlo-Simulation siehst du als KPI „Pleite-Risiko (Monte Carlo)" oben rechts. Die schattierte Bandbreite im Diagramm ist die P10–P90-Spanne aller 1.500 Simulationen.

Weiterführend:

Monte-Carlo am eigenen Plan testen →