Entnahmestrategien im Vergleich

Die spannendste Frage in der FIRE-Phase ist nicht, wie viel Vermögen du hast — sondern wie du es entnimmst. Drei Strategien dominieren die Diskussion: die starre 4 %-Regel, die dynamischen Guyton-Klinger-Guardrails und das annuitätenartige VPW. Sie führen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

1. Die 4 %-Regel (statisch)

Der Klassiker aus der Trinity-Studie (Bengen, 1994). Idee: im ersten Jahr ziehst du 4 % deines Startvermögens als Jahresentnahme, danach wird dieser Eurobetrag jährlich an die Inflation angepasst. Das war's — Entscheidung trifft du nur einmal.

2. Guyton-Klinger Guardrails (dynamisch ±10 %)

Jonathan Guyton und William Klinger erweiterten die 4 %-Regel 2006 um eine simple Reaktionsregel: Wenn dein Depot so weit gefallen ist, dass deine aktuelle Entnahmerate 20 % über dem Startwert liegt, kürzt du die Entnahme um 10 %. Wenn dein Depot so weit gestiegen ist, dass die Rate 20 % unter dem Startwert liegt, erhöhst du um 10 %.

In allen anderen Fällen passt du nur an die Inflation an — wie bei der 4 %-Regel.

3. Variable Percentage Withdrawal (VPW)

Das VPW-Konzept kommt aus dem Bogleheads-Forum und ist annuitätenartig: Jedes Jahr ziehst du einen festen Prozentsatz deines aktuellen Depots, der mit dem Alter steigt. Mit 50 vielleicht 3,5 %, mit 65 vielleicht 5 %, mit 80 dann 8 %.

Mathematisch ist das die Annuität: Entnahme = Depot ÷ Annuitätenfaktor(Restjahre, Realrendite).

Welche passt zu dir?

Faustregel:

Was die Strategien für deutsche FIRE-Planer bedeutet

Wichtig in der deutschen Steuer-Realität:

Eine pragmatische Hybrid-Strategie

Viele erfahrene Privatiers kombinieren:

Das ist mathematisch nichts anderes als eine Bucket-Strategie und in der Praxis robust gegen Sequence-of-Returns-Risk.

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Weiterführend:

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