ETF vs. Einzelaktien: Was ist steuerlich besser?
Auf den ersten Blick sieht es einfach aus: Einzelaktien haben keine Vorabpauschale, also sind sie billiger. Aber Aktien-ETFs bekommen 30 % Teilfreistellung – ein massiver Vorteil. Wer also gewinnt? Es kommt darauf an, was du machst.
Die fünf steuerlichen Unterschiede
| Aspekt | Aktien-ETF | Einzelaktie |
|---|---|---|
| Effektiver Steuersatz auf Gewinne | 18,46 % | 26,375 % |
| Vorabpauschale | Ja, jährlich | Nein |
| Teilfreistellung | 30 % | 0 % |
| Verlustverrechnungstopf | Allgemein | Separat (nur Aktien-Verluste mit Aktien-Gewinnen) |
| Quellensteuer-Anrechnung Dividenden | Pauschal über Teilfreistellung | Anrechenbar (bis 15 %) |
Warum der ETF bei Buy-and-Hold gewinnt
Beispiel: 100.000 € Gewinn nach 20 Jahren. Du verkaufst alles.
Aktien-ETF (z. B. MSCI World):
Steuer: 100.000 € × (1 − 30 %) × 26,375 % = 18.462,50 €
Einzelaktien (z. B. Apple, Microsoft):
Steuer: 100.000 € × 26,375 % = 26.375,00 €
Der ETF spart 7.912,50 € – nur durch die Teilfreistellung. Bei größeren Beträgen wachsen diese Differenzen entsprechend.
Wo Einzelaktien gewinnen können
1. Verlustverrechnungstopf
Aktienverluste dürfen nur mit Aktiengewinnen verrechnet werden – nicht mit ETF-Gewinnen, Dividenden oder Anleihen. Das klingt nach einem Nachteil, ist aber für Trader ein Vorteil: Wer aktiv handelt, kann mit einer Verlustaktie Steuer auf eine Gewinneraktie sparen, ohne dass der Topf gemischt wird.
2. Keine Vorabpauschale
Das jährliche Mini-Steuern-Ärgernis entfällt komplett. Kein Liquiditätsabfluss in Jahren, in denen du nichts verkauft hast. In der Praxis ist das aber bei modernen Brokern egal: Die Vorabpauschale wird automatisch von deinem Verrechnungskonto abgebucht und beim späteren Verkauf angerechnet.
3. Direkte Quellensteuer-Anrechnung
Bei US-Aktien (z. B. Apple, Microsoft) zahlst du 15 % Quellensteuer auf Dividenden – diese wird direkt auf deine deutsche Abgeltungssteuer angerechnet (per W-8BEN-Formular). Bei einem MSCI-World-ETF passiert das pauschal über die 30 % Teilfreistellung – und das ist meist großzügiger.
4. Kein Anteilsklassenrisiko
ETFs werden manchmal fusioniert, umstrukturiert oder von der Fondsgesellschaft geschlossen. In den meisten Fällen ist das steuerlich unproblematisch (vergleichbar mit einem Tausch ohne steuerlichen Verkauf), kann aber gelegentlich eine Realisierung erzwingen. Bei Einzelaktien hast du nur „Aktiensplit" oder „Spin-off" als Sondersituationen.
Praxisszenario: Mischportfolio
Die meisten Anleger halten beides:
- Kern: ein breiter Aktien-ETF (MSCI World, FTSE All-World) – der Wachstumsmotor mit 30 % Teilfreistellung
- Satellite: ein paar Einzelaktien (Apple, ASML, BMW …) für persönliche Überzeugungen
Steuerlich behandelt unser Rechner beide Eimer separat. Du bekommst pro Asset-Typ den richtigen effektiven Satz. Damit bekommst du die ehrlichste Antwort, wann dein Vermögen für FIRE reicht.
Was ist mit Dividenden-Aktien?
Dividenden von Einzelaktien werden ebenfalls mit 26,375 % besteuert (kein Teilfreistellungsabzug). Dividenden von ausschüttenden Aktien-ETFs profitieren dagegen voll von der 30 %-Teilfreistellung. Beispiel: 1.000 € Dividende werden bei Einzelaktie zu 263,75 € Steuer, beim ETF nur zu 184,63 €.
Und Hebel-ETFs / Themen-ETFs / Faktor-ETFs?
Solange diese Produkte als „Aktienfonds" qualifizieren (≥ 51 % Aktien physisch oder synthetisch), profitieren sie von der 30 %-Teilfreistellung. Bei Swap-basierten ETFs hängt es vom Swap-Counterparty-Konstrukt ab – im Verkaufsprospekt steht „Teilfreistellungsquote". Wenn dort 30 % steht, gilt der volle Aktienfonds-Vorteil.
Fazit
- Buy-and-Hold-Anleger: Aktien-ETFs sind steuerlich klar besser. ~ 8 Prozentpunkte effektiver Steuersatz weniger.
- Aktive Trader: Einzelaktien können durch den separaten Verlustverrechnungstopf flexibler sein.
- Mischportfolio: Ist die Realität für die meisten. Unser Rechner trennt beide Eimer und rechnet steuerlich korrekt.
Weiterführend: