Vorabpauschale: Die jährliche Mini-Steuer auf thesaurierende ETFs

Seit 2018 zahlst du als ETF-Sparer in Deutschland eine kleine Steuer pro Jahr – auch wenn du nichts verkauft hast. Sie heißt Vorabpauschale, ist meistens niedrig und wird beim späteren Verkauf vollständig angerechnet. Hier erfährst du, wie sie genau funktioniert.

Das Problem, das die Vorabpauschale lösen sollte

Bis 2017 hatten thesaurierende Fonds (also Fonds, die Erträge nicht ausschütten, sondern direkt wieder anlegen) einen Steuervorteil: Anleger zahlten viele Jahre lang gar nichts und versteuerten den gesamten Gewinn erst beim Verkauf. Mit der Investmentsteuerreform 2018 wollte der Gesetzgeber diese Stundung eindämmen: Du sollst zumindest etwas Steuer pro Jahr zahlen, auch ohne Verkauf. Das ist die Vorabpauschale.

Wie wird die Vorabpauschale berechnet?

Die Formel besteht aus drei Schritten:

  1. Basisertrag = Fondswert am Jahresanfang × Basiszins × 70 %
  2. Vorabpauschale = min(Basisertrag − Ausschüttungen, tatsächlicher Jahres-Wertzuwachs)
  3. Steuer = Vorabpauschale × 26,375 % × (1 − Teilfreistellung)

Drei Eingaben sind also entscheidend: der Basiszins, die Ausschüttungen und die Teilfreistellung.

Der Basiszins für 2026

Das Bundesfinanzministerium veröffentlicht den Basiszins jedes Jahr im BMF-Schreiben (zuletzt am 13.01.2026). Er leitet sich aus der Rendite langlaufender Bundesanleihen ab.

JahrBasiszinsEffektive Vorabpauschale*
2018–2022≤ 0 %0 € (keine Vorabpauschale fällig)
20232,55 %≈ 1,79 % des Fondswerts
20242,29 %≈ 1,60 % des Fondswerts
20252,53 %≈ 1,77 % des Fondswerts
20263,20 %≈ 2,24 % des Fondswerts

*Basisertrag = Wert × Basiszins × 0,7. Tatsächliche Steuer ist nur ein Bruchteil davon.

Beispiel: 100.000 € im MSCI World ETF im Jahr 2026

Schritt 1: Basisertrag = 100.000 € × 3,20 % × 70 % = 2.240 €

Schritt 2: Keine Ausschüttungen, Wertzuwachs sei 8.000 €. Also Vorabpauschale = min(2.240; 8.000) = 2.240 €

Schritt 3: Steuer = 2.240 € × 26,375 % × (1 − 30 %) = 413,56 €

Auf 100.000 € MSCI-World-Bestand zahlst du also rund 414 € Vorabpauschale-Steuer für 2026 – sofern dein Sparer-Pauschbetrag (1.000 € Singles, 2.000 € Verheiratete) ausgeschöpft ist.

Wann fällt sie an, wann nicht?

Anrechnung beim Verkauf – das oft übersehene Detail

Die Vorabpauschale ist kein Verlust, sondern eine Vorauszahlung. Beim späteren Verkauf des ETF reduziert die Summe aller bereits versteuerten Vorabpauschalen den steuerpflichtigen Verkaufsgewinn:

Steuerpflichtiger Gewinn = Verkaufserlös − Anschaffungskosten − Σ(versteuerte Vorabpauschalen)

Wer also über 10 Jahre insgesamt 4.000 € Vorabpauschale versteuert hat und beim Verkauf 50.000 € Gewinn realisiert, versteuert nur noch 50.000 € − 4.000 € = 46.000 €. Das ist der zentrale Grund, warum unser FIRE-Rechner die Vorabpauschale separat trackt.

💡 Warum unser Rechner danach fragt Die meisten FIRE-Rechner ignorieren diese Anrechnung – und überschätzen damit deine zukünftige Steuerlast um 5–15 %. Wenn du in deinem Depot-Auszug die gezahlte Vorabpauschale findest (Flatex zeigt sie zum Beispiel pro Lot), trägst du sie ein und bekommst eine deutlich realistischere Projektion.

Wo finde ich meine gezahlte Vorabpauschale?

Du kannst die Werte aus mehreren Jahren einfach addieren. Unser Rechner verarbeitet auch ein geschätzes Total, falls die Aufsplittung pro Jahr fehlt.

Wann lohnt sich die Beachtung?

Bei kleinen Depots fällt die Vorabpauschale praktisch unter den Sparer-Pauschbetrag (1.000 € pro Person, 2.000 € verheiratet) und du zahlst tatsächlich 0 €. Spürbar wird sie ab etwa 50.000 € im Depot pro Person. Bei großen Depots (200.000 € +) macht die Anrechnung beim Verkauf später einen Unterschied von mehreren tausend Euro – Geld, das andere Rechner einfach „vergessen".


Weiterführend:

Vorabpauschale in deinem Depot berechnen →