Kaufkraftausgleich: Warum 4.000 € heute nicht 4.000 € in 30 Jahren sind

Inflation ist der unsichtbare Steuersatz, der dein Geld jedes Jahr ein Stück weniger wert macht. 2,5 % Inflation klingen wenig – aber über 30 Jahre verlierst du 52 % deiner Kaufkraft. Ein FIRE-Plan, der nominell konstant bleibt, ist praktisch ein schleichender Lebensstandard-Verfall.

Die Mathematik der Inflation

Bei konstanter Inflationsrate i verliert ein Euro nach n Jahren 1 − 1/(1+i)^n seiner Kaufkraft.

InflationsrateNach 10 JahrenNach 20 JahrenNach 30 Jahren
1,5 %−14 %−26 %−36 %
2,0 %−18 %−33 %−45 %
2,5 % (Standard im Rechner)−22 %−39 %−52 %
3,5 %−29 %−50 %−64 %
5,0 %−39 %−62 %−77 %

Der EZB-Zielwert liegt bei 2 % – die deutsche Inflation seit den 1990ern lag im Schnitt bei etwa 1,8 %, mit Spitzen über 8 % (2022). Für FIRE-Rechnungen sind 2,0–2,5 % ein realistischer langfristiger Mittelwert.

Was passiert ohne Kaufkraftausgleich?

Du entnimmst jedes Jahr 48.000 € (= 4.000 € / Monat). Nach 30 Jahren entnimmst du immer noch 48.000 €.

Aber 48.000 € im Jahr 2056 sind real nur noch 23.000 € wert (bei 2,5 % Inflation).

Das heißt konkret: Du kannst dir nur noch die Hälfte leisten. Die schöne Wohnung, das Auto, die Reisen – alles geht oder wird drastisch knapper.

Was unser Rechner stattdessen macht

Wenn der Schalter „Kaufkraftausgleich" aktiviert ist, erhöht der Simulator deine jährliche Entnahme so, dass du jedes Jahr real dasselbe leisten kannst wie im Startjahr.

Konkret: Wenn du heute 48.000 € pro Jahr entnimmst und die Inflation 2,5 % beträgt:

Der Rechner zeigt dir parallel die Kaufkraft-Spalte in der Jahresübersicht – also wie viel der nominellen Entnahme in heutigen Euros wert ist. So siehst du sofort, dass die nominelle Steigerung nur die Inflation ausgleicht und nicht real mehr Wohlstand bedeutet.

Aber kostet das nicht massiv mehr Vermögen?

Ja. Eine inflationsangepasste Entnahme zehrt das Depot deutlich schneller als eine nominell konstante. Faustregel: Bei 2,5 % Inflation und 6 % nominaler Rendite hast du eine Realrendite von ~ 3,4 %. Du brauchst etwa 20 – 30 % mehr Vermögen für den gleichen realen Lebensstandard verglichen mit der „Verschleißvariante" ohne Anpassung.

Aber: Eine FIRE-Planung ohne Kaufkraftausgleich ist keine FIRE-Planung – sondern ein Plan, der nach 15–20 Jahren in unfreiwilligem Lean-FIRE endet. Daher ist der Schalter im Rechner standardmäßig aktiviert.

Was ist mit GRV und Renten?

Konservative Annahme im Rechner: Renten werden nicht automatisch um die Inflation angepasst. Die gesetzliche Rente wird zwar politisch gelegentlich erhöht (Rentenformel mit Lohnentwicklung), aber unzuverlässig und nicht 1:1 zur Inflation. Wir lassen sie nominell konstant – das macht den Plan robuster.

Folge: Während deine Entnahme aus dem Depot mit der Zeit nominell steigt (Kaufkraftausgleich), bleibt die Rente nominell gleich. Real verliert sie also Kaufkraft. In der Simulation siehst du diesen Effekt eingebaut.

Wann den Schalter ausschalten?

Es gibt zwei Szenarien, in denen es sinnvoll sein kann:

Der Schalter ist genau dafür da – probier beide Varianten aus.

Inflation als Risiko in Crash-Jahren

Hohe Inflation ist besonders gefährlich, wenn sie mit Aktien-Schwäche zusammenfällt – wie in den 1970er Jahren. Aktienportfolios verlieren in solchen Phasen real (nominal stagnieren sie oft, real schrumpfen sie). Die Kombination aus „Markt schwach" und „Entnahme inflationsbedingt steigend" ist das Worst-Case-Szenario für FIRE. Mehr dazu im Artikel zum Renditereihenfolgerisiko.


Weiterführend:

Inflationsangepassten FIRE-Plan rechnen →