Gesetzliche, private & Partner-Rente: Warum sie dein FIRE-Vermögen drastisch reduzieren
Viele FIRE-Rechner ignorieren spätere Renten komplett oder addieren sie nur grob. Das ist zu pessimistisch. Wer mit 67 zusätzlich 1.500 € pro Monat aus der gesetzlichen Rente bekommt, braucht in der FIRE-Phase davor deutlich weniger Depot, um sicher zu leben.
Wieso die Rente das Spiel verändert
Eine FIRE-Phase, die mit 45 startet, dauert bis zum Lebensende vielleicht 45–50 Jahre. Wenn aber ab 67 eine zuverlässige Zusatzrente fließt, muss das Depot nur die ersten 22 Jahre alleine tragen. Danach reicht eine reduzierte Entnahme – das senkt die historisch sichere Anfangs-Entnahmerate von ~ 3,0 % auf bis zu 3,75 %. Das entspricht 25 % weniger nötigem Vermögen für denselben Lebensstandard.
Die drei Kategorien, die unser Rechner separat behandelt
1. Gesetzliche Rente (GRV)
Die monatliche Rente, die du laut Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung erwartest – meist ab Alter 67. Wenn du sehr früh aussteigst, prüfe: Reicht deine Beitragszeit für eine Rente ohne Abschlag? Wer als „Aussteiger" mit 45 aufhört, hat bei 22 Beitragsjahren oft nur ~ 60 % der ursprünglich erwarteten Rente.
Eintrag im Rechner: Höhe in € / Monat + Startdatum (typisch 67. Geburtstag).
2. Sonder-Renten (Riester, Rürup, betriebliche AV, private Rentenversicherung)
Verträge mit eigener Auszahlungslogik. Sie können als Einmalzahlung, als monatliche Rente oder als Kombination ausgezahlt werden. Im Rechner trägst du den jährlichen Betrag und das Startdatum ein. Steuerlich werden sie unterschiedlich behandelt:
- Riester: voll steuerpflichtig in der Auszahlungsphase (nachgelagerte Besteuerung).
- Rürup: 84 % steuerpflichtig 2026 (Anstieg auf 100 % ab 2058).
- Betriebliche AV (Direktversicherung etc.): voll steuerpflichtig in der Auszahlungsphase.
- Private Rentenversicherung (Schicht 3): nur der Ertragsanteil steuerpflichtig (~ 17 % bei Beginn mit 67).
3. Partner-Rente
Wenn dein Partner ebenfalls eine Rente erhält, fließt sie in den gemeinsamen Haushalt – und reduziert effektiv eure benötigten Entnahmen. Wir tragen sie separat ein, weil ihr Startdatum oft anders ist als deins (Altersunterschied, unterschiedlicher Beitragsverlauf). Im Rechner gibst du den jährlichen Betrag und das Startdatum an.
Rentenbesteuerung 2023+ – das oft übersehene Detail
Die deutsche Rente ist nicht steuerfrei. Seit 2023 steigt der steuerpflichtige Anteil der gesetzlichen Rente jährlich um 0,5 Prozentpunkte.
| Renteneintrittsjahr | Steuerpflichtiger Anteil |
|---|---|
| 2023 | 82,5 % |
| 2024 | 83,0 % |
| 2025 | 83,5 % |
| 2026 | 84,0 % |
| 2030 | 86,0 % |
| 2058+ | 100,0 % |
Dieser Anteil wird mit deinem persönlichen Grenzsteuersatz besteuert. Bei einer Rente von 18.000 € jährlich, Renteneintritt 2026, ohne weiteres Einkommen:
Steuerpflichtiger Teil: 18.000 € × 84 % = 15.120 €
Abzüglich Grundfreibetrag 2026 (12.084 €): 3.036 €
Bei einem Eingangs-Grenzsteuersatz von ~ 19,4 %: ≈ 590 € Steuer pro Jahr
Krankenversicherung auf die Rente
Auf die gesetzliche Rente fallen 7,3 % Krankenversicherungsbeitrag und 3,4 % Pflegeversicherungsbeitrag an (zusammen 10,7 %). Bei privater KV liegt der Beitrag oft höher – aber das musst du als FIRE-Aussteiger sowieso schon vor 67 zahlen.
Unser Rechner verwendet 7,3 % als Standardsatz für die KV-Belastung der Rente; Pflege ergänzen wir nicht zusätzlich, da die Pflegeversicherung ohnehin in der KV-Pauschale steckt.
So macht das unser Rechner
Im linken Panel „Altersrenten" trägst du jede Rente einzeln ein:
- Reguläre Renten (bis zu 5 Slots, monatliche Beträge)
- Sonder-Renten (jährlich, mit Startdatum)
- Partner-Rente (jährlich, mit Startdatum)
Pro Jahr berechnet der Simulator:
- Brutto-Rente aus allen aktiven Quellen
- Steuerpflichtiger Anteil pro Quelle (mit Tabelle 2023+ für die GRV)
- Grundfreibetrag und Pauschbeträge abziehen
- Grenzsteuersatz aus Tabelle anwenden
- Krankenversicherungsbeitrag abziehen
- Netto-Rente – der Betrag, der die Entnahme aus dem Depot reduziert
Was wir nicht modellieren
- Witwen-/Witwerrente: Falls einer von euch verstirbt, fließt typischerweise eine reduzierte Rente an den Hinterbliebenen. Komplex und sehr individuell – hier nicht abgebildet.
- Anpassung der GRV nach Inflation: Die GRV wird politisch angepasst, aber unregelmäßig und nicht 1:1 zur Inflation. Wir lassen sie nominell konstant – konservative Annahme.
- Mini-Job in der Rente: Wenn du nebenbei weiterarbeitest, kommt dieses Einkommen oben drauf. Ist nicht im Rechner.
Weiterführend:
- Sichere Entnahmerate – wie GRV deine Rate erhöht
- Kaufkraftausgleich – warum nominelle Beträge in 30 Jahren weniger wert sind
- Eigene Renten eintragen