FIRE-Typen im Überblick

FIRE ist nicht eine Zahl, sondern eine Familie von Wegen. Coast, Lean, Barista, Standard und Fat unterscheiden sich darin, wie viel Vermögen du brauchst und wieviel du noch arbeitest. Hier alle fünf nebeneinander, mit Faustformeln und Schwellen für Deutschland.

Die fünf Varianten auf einen Blick

Annahme für die Beispielzahlen: deine geplanten Jahresausgaben sind 36.000 € (3.000 €/Monat). Dein erwartetes Renteneintrittsalter ist 67, du bist heute 35.

TypWas du tustFaustformelBeispiel-Schwelle
CoastDu hörst auf zu sparen. Dein Depot wächst von allein bis zur regulären Rente.FIRE-Ziel ÷ (1 + Realrendite)Restjahre~ 220.000 €
LeanDu steigst ganz aus, lebst aber mit ~60 % deiner heutigen Ausgaben.0,6 × Jahresausgaben × 25~ 540.000 €
BaristaDu arbeitest Teilzeit, das Depot deckt den Rest.0,5 × Jahresausgaben × 25~ 450.000 €
StandardDu lebst komplett aus dem Depot mit deinen heutigen Ausgaben.Jahresausgaben × 25~ 900.000 €
FatKomfortabler Ruhestand mit ~150 % deiner heutigen Ausgaben.1,5 × Jahresausgaben × 25~ 1,35 Mio. €

Coast FIRE

Du hörst jetzt auf zu sparen, lässt aber das vorhandene Depot bis zum 67. Lebensjahr durchlaufen. Bei einer Realrendite von 4–5 % verdoppelt sich Kapital alle 14–17 Jahre — also reichen oft < 25 % des FIRE-Ziels.

Coast ist die früheste Stufe. Viele Menschen erreichen Coast Mitte 30, ohne es zu merken. Es bedeutet nicht, dass du nicht mehr arbeitest — sondern dass du deine Karriere, Stundenzahl oder Branche frei wählen kannst.

→ Mehr zu Coast FIRE

Lean FIRE

Du steigst aus, aber lebst frugal. In Deutschland heißt das in der Regel 1.500–2.500 €/Monat — als Single oder Paar ohne Kinder, oft mit abgezahltem Wohneigentum oder günstiger Miete.

Lean FIRE hat den niedrigsten Schwellenbetrag aller Vollzeit-Aussteiger-Varianten — du kannst Jahre vor Standard-FIRE dort ankommen. Aber: weniger Puffer, höheres Risiko bei Inflation, Gesundheit oder Lifestyle-Drift.

→ Mehr zu Lean FIRE

Barista FIRE

Der pragmatische Mittelweg: du arbeitest noch Teilzeit (z. B. 20 h/Woche), das Depot deckt den Rest. In Deutschland ein attraktives Modell, weil du sozialversichert bleibst (KVdR-Anwartschaft, weiter Rentenpunkte) und psychologisch eine Tagesstruktur hast.

Wichtig: der Barista-Job soll passen. Es ist keine Notlösung, sondern eine bewusste Reduktion auf das, was Spaß macht.

→ Mehr zu Barista FIRE

Standard FIRE

Der Klassiker: 25× deiner Jahresausgaben (4 %-Regel) als Zielvermögen. Du lebst komplett aus dem Depot. Standard FIRE deckt deinen heutigen Lebensstil ab — keine bewusste Sparflamme wie Lean, aber auch kein Komfort-Plus wie Fat.

In Deutschland sinkt die Standard-FIRE-Schwelle deutlich, wenn du die gesetzliche Rente einkalkulierst. Wer ab 67 z. B. 1.500 €/Monat aus der GRV erhält, muss aus dem Depot nur die Lücke schließen — nicht 100 % der Ausgaben.

→ Mehr zur 4 %-Regel

Fat FIRE

Komfortabler Ruhestand mit Puffer. ~150 % deiner heutigen Ausgaben — entweder weil du dir mehr leisten willst (Reisen, Hobby, PKV) oder weil du Sicherheitsmarge gegen Inflation und Steueränderungen einbauen willst.

Fat FIRE braucht oft 10–12 Jahre länger Aufbauphase als Standard. Das ist die Frage: Komfortzone oder Zeit?

→ Mehr zu Fat FIRE

Welcher FIRE-Typ passt zu mir?

Eine pragmatische Heuristik:

Sequenz-Strategie: nicht eines, sondern alle

In der Praxis durchlaufen viele Menschen mehrere FIRE-Stufen:

  1. Aufbauphase: Vollzeit, hohe Sparquote.
  2. Coast-Punkt erreicht: Du wechselst zu einem Job, der dir mehr Spaß macht — auch mit weniger Gehalt.
  3. Barista-Phase: Wenn du ~50 % des Standard-FIRE-Ziels hast, reduzierst du auf Teilzeit.
  4. Standard-FIRE: Wenn das Depot durch Wachstum + minimal weiteres Sparen die volle Zahl erreicht hat, ganz aus dem Job.
  5. GRV-Übergang ab 67: Gesetzliche Rente reduziert die Depot-Belastung weiter.
🎯 Wo stehst du auf jedem Weg? Öffne den Rechner. Im Bereich „FIRE-Typen" siehst du auf einen Blick deinen Fortschritt für Coast, Lean, Standard und Fat — gerechnet auf deinem aktuellen Depot.

Weiterführend:

Eigene FIRE-Typen-Übersicht ansehen →