Fat FIRE
Fat FIRE ist das Gegenstück zu Lean: ein komfortabler, fast luxuriöser früher Ruhestand mit 6.000–10.000 € monatlich. Du brauchst dafür ein deutlich größeres Depot — typischerweise 2,5 bis 4 Millionen.
Was ist Fat FIRE?
Fat FIRE ist das obere Ende der Bewegung: überdurchschnittliche Ausgaben, gehobener Lebensstil, keine Kompromisse. Ziel sind häufig 120.000–200.000 € pro Jahr nach Steuern — also 10.000–17.000 € brutto pro Monat aus dem Depot.
Es geht weniger ums Ausreichen und mehr um Optionen: Reisen ohne Budget-Sorge, Kinder, mehrere Wohnsitze, ein Auto-Hobby, Restaurantbesuche, Krankenversicherung als PKV-Selbstzahler. Wer das will und es sich leisten kann, baut nicht 25× Jahresausgaben auf, sondern 33× oder mehr — der zusätzliche Puffer schützt gegen lange Pensionsphasen, Inflation und Steueränderungen.
Die Fat-FIRE-Schwelle: Zahlen
Mit 1,5× Standard-Ausgaben und der 4 %-Regel ergibt sich grob:
- 6.000 €/Monat → 72.000 €/Jahr → ≈ 1,8 Mio. €
- 8.000 €/Monat → 96.000 €/Jahr → ≈ 2,4 Mio. €
- 10.000 €/Monat → 120.000 €/Jahr → ≈ 3,0 Mio. €
- 15.000 €/Monat → 180.000 €/Jahr → ≈ 4,5 Mio. €
Für eine 50-Jahres-Pension empfehlen viele Fat-FIRE-Anhänger einen Faktor 33× statt 25× — also rund 33% mehr Vermögen als die obigen Werte.
Die deutsche Steuerlast wird hier ein echtes Thema
Bei niedrigen Entnahmen reicht der Sparerpauschbetrag (1.000 €/2.000 €) und die Teilfreistellung. Bei Fat FIRE musst du auf große Summen die volle Abgeltungssteuer zahlen: 26,375 % mit Soli, 27,82–27,99 % mit Kirchensteuer.
Auf 100.000 € Bruttoentnahme aus einem Aktien-ETF mit 30 % Teilfreistellung sind das rund 14.000–14.700 € Steuer. Das ist mehr als die gesamte Lean-FIRE-Jahresentnahme.
Wichtige Hebel:
- Teilfreistellung optimal nutzen: Aktienfonds (30 %), Mischfonds (15 %), Anleihen-ETF (0 %) — verschiedene Vehikel haben verschiedene effektive Sätze.
- FIFO-Optimierung: Bei langer Haltedauer mit hohen Buchgewinnen kann es sich lohnen, alte Positionen zu „rollen" oder das Depot zu splitten, um die FIFO-Reihenfolge zu beeinflussen.
- Günstigerprüfung: Bei niedrigem persönlichen Steuersatz (z. B. nur Kapitalerträge, keine sonstigen Einkünfte) kann die persönliche ESt günstiger sein als die Abgeltungssteuer.
- PKV statt GKV: Bei Selbstzahler-Status kann die PKV im Alter günstiger werden — kostet im Übergang aber Entscheidungsdisziplin.
Risiken bei Fat FIRE
- Lifestyle-Inflation: Was einmal als komfortabel gilt, wird zur Erwartung. Wer einmal Business-Class fliegt, will selten zurück.
- Sequence-of-Returns Risiko: Auch ein Multi-Millionen-Depot kann durch eine Kombination aus Crash + hoher Entnahme in den ersten 5 Jahren ausgehöhlt werden.
- Steuer-Änderungen: Bei Vermögen jenseits von 1 Mio. € werden steuerliche Reformen (Vermögensteuer, höhere Kapitalsteuer) ein politisches Ziel.
Fat FIRE vs. Standard: lohnt sich der Aufwand?
Der Sprung von 1,5 Mio. (Standard) auf 3,0 Mio. (Fat) verdoppelt das benötigte Depot. Das bedeutet bei einer Sparquote von 50 % und 7 % Rendite typisch 10–12 Jahre länger arbeiten. Die Frage ist: ist dir die Komfortzone oder die Zeit wichtiger?
Ein pragmatischer Mittelweg: Standard-FIRE anpeilen (25× aktuelle Ausgaben), aber während des Aufbaus den Lebensstil bereits etwas ausweiten — du baust den Komfort in deine 25× ein, statt zu versuchen, einen extremen Sprung zu schaffen.
Weiterführend:
- Lean FIRE – das frugale Gegenstück
- Coast FIRE – aufhören zu sparen, weiterlaufen lassen
- Teilfreistellung bei ETFs – warum Aktienfonds 30 % sparen
- ETF vs. Einzelaktien – steuerliche Unterschiede